
Wie man Kids sicher auf den Berg zieht
Mit einem Schleppseil fährt der Nachwuchs weiter. Das braucht für Gross wie Klein etwas Übung.

Vor wenigen Jahren waren sie kaum zu sehen, inzwischen sind Abschleppseile für viele Bikefamilien selbstverständlich. Mit der Verbindung zwischen dem grossen und kleinen Bike werden Ausfahrten direkt länger. Der Nachwuchs hat mehr Energie für die spassigen Abschnitte und ist dadurch länger motiviert. Und je nach System ist die Leine auch ein grosses Plus punkto Sicherheit. Lässt es sich umgekehrt montieren, dient die Verbindung für das Kind als effektive Bremsunterstützung auf langen oder steilen Abfahrten.
Damit Gross und Klein gemeinsam Freude an der neuen Reichweite haben, ist etwas Übung sehr empfehlenswert. Das Prinzip des Abschleppens leuchtet Erwachsenen zwar sofort ein, doch für das Kind ist es erstmal eine zusätzliche Herausforderung, wenn es mit vergleichsweise grosser Kraft nach vorne gezogen wird. Und auch wer zieht, merkt spätestens an einer schnellen oder steilen Kurve: es braucht Konzentration und Feingefühl, um mit einem Lächeln oben anzukommen. Folgenden Erfahrungen haben uns weitergebracht:
Schleppsysteme
Mittlerweile gibt es zahlreiche Verbindungsmöglichkeiten für zwei Bikes. Der grösste Unterschied besteht bei der Leine: elastisch oder fix. Feste Seile sind dünn, leicht und lassen sich direkt am Kidsbike befestigen (wie Kidreel aus Norwegen) oder am Zugbike montieren (wie Kommit aus Deutschland).
Wir haben uns für die elastische Variante entschieden, wie sie von Tow Whee oder Kids Ride Shotgun produziert werden. Dieses System erlaubt ein sanftes Anfahren und wird nicht fix an ein Bike montiert.

Kennenlernen
Die ersten Fahrversuche waren bei uns eher Gehversuche – im doppelten Sinn: Wir probierten das Zugseil am Laufrad aus und waren selber erstmal zu Fuss unterwegs. Letzteres können wir sehr empfehlen. Ob mit oder ohne Pedalen: So haben Klein wie Gross keinen Druck, gleich von Beginn weg eine längere Route fahren zu müssen. Und beide lernen diesen neuen Aspekt der gemeinsamen Mobilität bei gemächlichen Tempo kennen. Zudem lässt sich zu Fuss der Zug viel sanfter dosieren als mit dem Bike, das für eine einigermassen wackelfreie Fahrt eine Grundgeschwindigkeit benötigt.

Wichtig ist auch zu erleben, wie das Kind überhaupt auf das Abschleppen reagiert und den Anweisungen folgt. In unserem Fall hatte die Begeisterung etwa eine Halbwertszeit von zehn Metern. Danach fand der weitere Ausflug komplett ohne Zugseil statt. Er endete mit sichtlicher Erschöpfung aller Beteiligten.
Erste Ausfahrten
Was sich zu Fuss zeigte, war auf dem Bike nicht anders: die Begeisterung und Ablehnung gegenüber dem Zugseil folgte keiner nachvollziehbaren Logik. Einmal war es akzeptiert, dann wieder total “Neiiin!”.
Das konnten wir einigermassen entspannt annehmen, da wir neben dem Kidsbike immer auch den Wagen dabei hatten. Irgendwann merkte er: Ohne Seil sitzt er schneller im Wagen, da die Kräfte leicht verpuffen. Mit dem Seil wird er weniger schnell müde und kann länger selber fahren. Und selber fahren ist auf die Länge doch am coolsten.
Fahrtechnik
Ob auf Laufrädern oder mit Pedalen: Für Kleine ist das Abschleppseil eine echte Herausforderung. Sie fahren im Nu schneller als sonst üblich und müssen permanent konzentriert lenken. Plötzliches Anhalten infolge Schneckenhaus am Wegrand liegt nicht drin. Greifen sie beherzt in die Bremsen, schlittern sie mit blockierten Rädern hinterher. Entsprechend behutsam sollte man die kleinen Pilot:innen bergauf ziehen.
Dabei ist die klare Kommunikation wichtig. Vor allem das Fahren hinter dem Hinterrad – und nicht zwei Meter daneben – erwies sich als nicht ganz so einfach. Und wer zieht, kann nicht immer nach hinten blicken um zu checken, ob alles OK ist. Es bleibt nur, öfters nachzufragen. Regelmässige Pausen gehören auch dazu.

Bonus Bremse bergab
Ein weiterer Grund, weshalb wir uns für das elastische Schleppseil entschieden, war der Einsatz bergab. Zwischen Kindersattel und den Spacern unter dem eigenen Lenker montiert, dient es als sanfte, aber effektive Bremse. Das ermöglicht dem Kind, sich viel länger am Lenker festzuhalten, da es nicht permanent die Bremsen ziehen muss. Dadurch ermüden die Hände viel weniger schnell. Gleichzeitig findet es der Nachwuchs toll, vorne fahren zu können. Auch die Kommunikation ist einfacher.
Fazit
Inzwischen haben wir rund zwei Jahre Erfahrung mit dem bergauf schleppen und bergab bremsen. Der grosse Erfolg dieser Systeme ergibt sich aus mehreren Vorteilen: Das Kind fährt auf den eigenen Rädern viel weiter und hat dabei mehr Spass. Denn es kann dort die volle Energie einsetzen, wo das “Selber-Fahren” am lässigsten ist. Und die Verbindung stärkt das gemeinsame Erlebnis, denn Gross wie Klein müssen aufeinander achten, meistern gemeinsam neue Herausforderungen und teilen sich die Freude am Fahren.

Tipps
- Schleppseile sind lange nützlich: vom Laufrad bis zu längeren Touren mit Teenagern
- Zum Einstieg: mit kurzen Ausflügen und ohne Stress (lies: fixen Tourenplan) starten
- Geduldig sein: Kinder brauchen Zeit, bis sie den Sinn und Nutzen des Schleppseils begreifen
- Rollen tauschen: sich selber abschleppen lassen bringts. Besonders das Anfahren und die Kurven sind eine Herausforderung. Wer das selber erfährt, lernt dazu
Hast Du Erfahrung mit (unterschiedlichen) Abschleppsystemen? Oder Fragen zum Thema? Wir freuen uns auf dein Feedback!
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