Welcher Kinderanhänger soll ans MTB?

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Um diese Frage zu beantworten, haben wir zwei völlig unterschiedliche Modelle getestet. Das Fazit ist eindeutig.

Text: Simon Eppenberger / Pics: Giorgia Müller

Wer beim Biken das Baby dabei haben will, setzt es in einen Anhänger. Aber welcher macht am meisten Sinn? Wir fuhren Anfangs mit dem alltagstauglichen Modell “Sport” von Thule los. Dieser Kinderanhänger ist mit einfacher Federung ausgestattet, bietet Platz für Babyutensilien und hat sich für den Weg zur Krippe, zum Einkaufen und auf einfachen Ausfahrten in den Wald bewährt. 

Als das Baby kräftiger wurde, unternahmen wir längere Touren und schnallten ihn auch in den Bergen in den Anhänger. Schnell stellten wir fest: der kurze Federweg kam bereits auf unebenen Forststrassen an seine Grenzen. Stösse durch Schlaglöcher, Wurzeln und Wasserrinnen wurden zwar entschärft. Doch die Grenze des Zumutbaren war schnell erreicht. Zudem führte die fehlende Dämpfung zu Vibrationen und heftigem Schütteln. 

Uns blieb nur übrig, sehr langsam zu fahren und auch auf einfache Trails zu verzichten. Entsprechend planten wir ausschliesslich Touren mit guten Strassenverhältnissen, beispielsweise in der Surselva zum Lag di Pigniu oder ins Val Ladral und eine Tagestour von Zürich aus.

title Schöne Tour zum Lag die Pigniu, gut fahrbar mit einem 2er-Anhänger

Viel Material, viele Möglichkeiten

Mit dem zweiten Kleinkind spielten wir das Ganze mit einem Zweier-Thule nochmals durch – bis wir genug hatten und uns einen Offroad-Anhänger leisteten. Das Modell Singletrailer von Tout Terrain hat 20 Zentimeter Federweg und verspricht ein tolles Handling auf Trails, bietet jedoch nur einem Passagier Platz. Da der Grosse inzwischen drei Jahre alt war, hatten wir unser neues Setup schnell gefunden: ein Bike mit Anhänger, eines mit Kindersitz (mehr zum Trail-Sitz hier) oder der Grosse auf seinem eigenen Bike.

title Ein Offroad-Anhänger ermöglicht eine vielseitigere Tourenplanung und bietet entspannteres Fahren auf dem Trail.

Trailspass ist nicht alltagstauglich

Nach einigen Ausfahrten fühlten wir uns mit dieser Kombination sicher und haben seither grosse Freude daran. Endlich sind erste gemeinsame Fahrten auf leichten Trails möglich und wir kommen auch auf holprigen Strassen zügig vorwärts. Der Anhänger ist zwar sehr teuer und wenig alltagstauglich. Doch wenn der Untergrund rauh und technisch wird, spielt der Tout Terrain seine Vorteile gekonnt aus. Der Kleine fühlt sich darin sehr wohl, die Federung ist komfortabel und das Lenk- und Bremsverhalten verändert sich weit weniger als der Kindersitz. 

Unser Fazit: Wer im Alltag viel mit dem Zweirad unterwegs ist, kommt um einen klassischen Kinderanhänger nicht herum. Damit sind auch erste Ausflüge mit dem Baby sehr gut möglich. Und wenn sich die Touren mit dem Bike auf Strassen und breite Wege ohne groben Untergrund beschränken, reicht ein solcher Alltags-Anhänger vollkommen aus. 

title Ein klassischer Veloanhänger ist ideal auf breiten Strassen und im Alltag.

Wen es hingegen mit dem Nachwuchs zu Trails und in die Berge zieht, sollte sich die Anschaffung eines Singletrailers ernsthaft überlegen. Er kostet viel, braucht Platz und ist nicht tauglich für den Alltag. Dafür bringt der Offroad-Anhänger allen Beteiligten sehr grossen Fahrspass und erweitert die Möglichkeiten für Ausflüge enorm.

Wissenswertes zu Kindern im Anhänger:

  • Alter
    Je nach Hersteller und System werden Anhänger ab sechs, neun oder zwölf Monaten empfohlen. Sinnvoll sind Babysitze oder -hängematten, welche später entfernt werden können. Nach oben ist nicht das Alter, sondern oft das Gewicht der limitierende Faktor. Oder die Lust des Kindes auf den Anhänger. Für Ersteres unbedingt die Angaben der Hersteller:innen beachten.
  • Kupplungen
    Alltagsanhänger sind in der Regel am Hinterrad mit dem Bike verbunden. Dafür wird eine extralange Achse benötigt. Für die korrekte Auswahl sind die Masse der originalen Achse ohne Kupplungsaufnahme ausschlaggebend. Im Zweifel eine Fachperson um Rat fragen.
  • Zulässiges Gesamtgewicht
    E-Bikes haben offiziell eine Gewichtslimite. Diese liegt in vielen Fällen zwischen 120 und 140 Kilo. Das bedeutet, dass E-Bike, Fahrer:in, Rucksack, Anhänger etc. zusammen diese Grenze nicht überschreiten sollten. In der Realität wird diese Limite schnell überschritten: Fahrer:in 90kg, zwei Kinder 25kg, E-Bike 24kg, Anhänger und Gepäck 22kg. Die Gewichtslimiten ändern sich tendenziell nach oben, im Zweifelsfall bei den Hersteller:innen oder im Fachhandel nachfragen.

Alltagstauglicher Anhänger mit einfacher Federung

title Alltagstaugliche Anhänger bieten mehr Stauraum und mit etwas Fanatasie noch viele weitere Möglichkeiten, den halben Haushalt mit auf die Tour zu nehmen.
  • PRO
  • Breiter Einsatzbereich, ganzjährig nutzbar
  • Umbau zu Kinderwagen möglich
  • Div. Modelle mit Erweiterung zum Joggen, Langlauf, etc.
  • Stauraum
  • Einer- und Zweier-Modelle erhältlich
  • Grosse Auswahl
  • KONTRA
  • Wenig Federweg, keine Dämpfung
  • Nicht tauglich auf holprigen Strassen, engen Wegen und Trails
  • Wenig Fahrkomfort auf ruppigem Untergrund
  • Kupplung am Hinterrad kann Schütteln/Vibrieren verstärken
  • Kippgefahr im Gelände bei schnellen Kurven
  • Erhöhte Belastung verkürzt einwandfreie Funktion
  • Kein Schutz vor Staub an heissen Tagen
  • Kein Ständer, Bike muss angelehnt werden
  • Deutlich spürbarer Rollwiderstand
  • Fixe Kupplung an Hinterachse

Offroad-Anhänger mit viel Federweg

title Der Offraod-Anhänger ist auch auf alpinen Touren einsetzbar.
  • PRO
  • Optimal für leichte bis mittelschwere Trails
  • Erlaubt zügiges Fahren auch auf Waldwegen und Forststrassen
  • Stabiles Fahr- und Bremsverhalten
  • Neigt sich in Kurven mit
  • Wenig spürbarer Rollwiderstand
  • Touren auch ohne Motor gut möglich
  • Bis zu 20cm Federweg, einstellbare Dämpfung
  • Komfort für das Kind auch auf langen Fahrten und ruppigem Terrain
  • Mit Ständer freier Stand von Anhänger und Bike
  • Hoher Wiederverkaufswert
  • Keine fixe Kupplung an Hinterachse
  • KONTRA
  • Wenig Stauraum
  • Einsatz nur als Trail-Anhänger möglich
  • Nur für ein:e Passagier:in
  • Teuer für nur einen Zweck (Tipp: Occasionen anschauen/Wiederverkaufswert einkalkulieren)
  • Schutz vor Staub an heissen Tagen nicht optimal
  • Handling benötigt Übung
  • An- und Abkuppeln ist hakelig
  • Braucht viel Stauraum bei Transport
  • Keine engen Kurvenradien möglich
  • Fix verschraubte Kupplung an Sattelstütze

Wie bist du mit dem Nachwuchs und dem Bike unterwegs? Oder hast du Fragen zu Anhängern? Wir freuen uns über deine Rückmeldung direkt hier unten in der Kommentarspalte.

13.09.2022

Kommentare (0 )

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