
Wann ein MTB-Kindersitz sinnvoll ist
Mit einem Sitz sind bereits mit kleinen Kindern längere Biketouren möglich. Damit alle Freude haben, hier die Antworten auf die drei wichtigsten Fragen.
Nach einem Jahr im Anhänger waren wir sicher: der Grosse wird den Sitz hinter unserem Lenker lieben. Er sieht alles, wir reden direkt miteinander und er erlebt das Gefühl des „echten“ Fahrens. Als er dann mit etwa zwei Jahren plötzlich in der ersten Reihe sass, war die Anspannung gross – bei ihm und uns.
Er wollte erstmals langsam fahren, wir wollten seine beiden Hände fest am Lenker. Die erste Fahrt war kurz, er hatte sehr bald genug. Also fuhren wir eine zeitlang mit Sitz und Wagen los, damit der neue Platz hinter dem Lenker kein Muss war. Und auf dem Kindersitz sass er anfangs vorwiegend auf flachen Strassen.
Inzwischen ist er dreieinhalb Jahre alt, findet den Sitz super und wir sind um einige Erfahrungen reicher, die wir gerne mit dir teilen, um Antworten auf die drei wichtigsten Fragen zu geben:
Ab wann ein MTB-Kindersitz?
Abseits der Strassen haben sich Sitze etabliert, auf denen das Kind über dem Oberrohr vor dem Erwachsenen sitzt. Marktführer sind die Modelle von Kids Ride Shotgun (Neuseeland) und Mac-Ride (USA). Beide Hersteller geben an, dass die Kinder zwischen zwei und fünf Jahre alt sein sollten.

Jüngere sind in der Regel zu wenig gross oder sie haben eher Mühe, sich im Sitz zu halten. Die Füsse haben durch Schnallen zwar einen recht sicheren Halt, ansonsten muss sich das Kind jedoch selbstständig am Lenker festhalten. Wer vor dem zweiten Lebensjahr einen Sitz am MTB will, wählt ein Modell mit Schale, beispielsweise den Yepp Mini von Thule.
Wir haben so etwas nicht ausprobiert, da wir unter dem Vorbau zu wenig Platz hatten (und uns die fix angeschraubte Halterung störte. Für die ersten rund eineinhalb Jahre waren wir Anfangs mit einem Thule Sport und danach mit einem Singletrailer von Tout Terrain unterwegs. Mehr zu den Vor- und Nachteilen der Anhänger-Typen folgt bald separat.
Wofür ist der Bike-Sitz geeignet?
Auch für uns war der Kindersitz eine total neue Erfahrung. Das sichere Fahren – und gegenseitige Vertrauen – brauchte Zeit. Anfangs waren vor allem kurze Ausfahrten auf Forststrassen passend. Wann der Moment gekommen ist für Ausflüge ins Gelände, hängt vom eigenen Fahrkönnen und der Entwicklung des Kindes ab. Je nach dem machen früher oder später auch längere Ausfahrten und flowige, flache Trails grossen Spass.
Genau solches Terrain ist auch auf den Bildern der Hersteller zu sehen. Die Werbung liegt für einmal sehr nahe an der Realität. Denn auch aus unserer Sicht sind verblockte, steile Abfahrten und sehr enge, exponierte Kurven mit dem Kind am Lenker nicht zu verantworten.
Der Schwerpunkt ist anders, Bremswege sind länger und Sicht sowie Beweglichkeit sind eingeschränkt. Auf diese Faktoren und die veränderten Risiken beim Biken mit Kids gehen wir demnächst in einem eigenen Beitrag ein.

Wann passen die Sitze (nicht)?
Die kleinen Co-Pilot:innen brauchen Raum – und der kann bei Bikes in Grösse S oder XS knapp werden. Möglicherweise schränkt der Kinderhelm die Sicht bereits auf flachen Strecken ein. Und es kann auf einem Trail bergab schwierig werden, das Gewicht nach hinten zu verlagern, da kaum Platz ist, den Kopf für die Abfahrts-Position zu senken.
Unsere Erfahrung: Bei einem Bike in Grösse M und 1.72m Körperlänge machen steile Trails keinen Spass mehr – obwohl das Kind erst knapp einen Meter misst. Die volle Sicht auf den Trail und die flache Abfahrtsposition sind nicht mehr gleichzeitig möglich. Stattdessen steht man halbwegs aufrecht, schaut neben dem Kinderhelm nach vorne – und ist dadurch auf einer Seite fast „blind“.
Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, das Trailfahren am besten erstmal auf kurzen Abschnitten ausprobieren. Wenn sich das unbequem oder unsicher anfühlt: die Länge und Schwierigkeit der Ausfahrten schrittweise steigern, statt direkt eine lange Trailfahrt unter die Räder zu nehmen. Das Gute ist: das neue, gemeinsame Fahrerlebnis mit dem Sitz macht auch auf breiten Wegen und Forststrassen Spass.
Gut zu wissen
- Montage
Kids Ride Shotgun Pro und Mac-Ride werden beide an der Sattelstütze und unterhalb des Vorbaus montiert. Dafür wird ein vorhandener Spacer durch einen 10mm hohen Kindersitz-Spacer ersetzt. Beide liefern Spacer für zwei Bikes. Wichtig für verstellbare Sattelstützen: das unbewegliche Sattelrohr muss ca. 15mm Platz bieten. - Einstellung
Die Höhe der Fussrasten und die Position des Sitzes lassen sich individuell einstellen. Beim Kids Ride ist zusätzlich die Neigung des Sattels verstellbar. Der Mac-Ride hat einen Schalensitz, der diese Verstellung nicht benötigt.

- Handling
Ist der Spacer einmal verbaut, gelingt die Montage und Demontage schnell und ohne Werkzeug. Damit ist auch ein Wechsel des Sitzes während einer Tour realistisch. - Pedalieren
Durch den Kindersitz pedaliert man gezwungenermassen mit O-Beinen. Mit Flat Pedals, einem E-Bike (und gesunden Knien) stört das am wenigsten, da man die Fussposition anpassen kann und nicht mit vollem Druck treten muss. Mit Klickpedalen ist das weniger angenehm, wie uns ein Mitglied der Community mitgeteilt hat. Ohne Motor und mit Klicks fällt die Beinposition am meisten ins Gewicht. - Tourenplanung
Das Festhalten am Lenker und die vielen Eindrücke sind für Kinder ein Kraftakt. Deshalb kurze Touren und genügend Pausen für Snacks und Abwechslung einplanen. Wichtig ist zudem, dass die Kleinen nicht müde oder hungrig aufs Bike sitzen.
Vergleich der Sitze
Selber kauften wir uns das Pro-Modell von Kids Ride Shotgun. Der vertiefte Erfahrungsbericht zu Kindersitzen (und weil wir zwei Kinder haben) folgt. Dafür haben wir uns den zusätzlich montierbaren Kinderlenker zum Kids Ride sowie den Sitz von Mac-Ride bestellt. Sobald wir diese Teile getestet haben, berichten wir im Detail über die Vor- und Nachteile.
Hast du Fragen zu Kindersitzen oder bereits eigene Erfahrungen? Wir freuen uns über deine Rückmeldung direkt hier unten in der Kommentarspalte.
Kommentare (4 )
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