
Umgang mit dem Pedal-Boykott
Alles nützt nichts: Unser bald Vierjähriger hat Freude am Fahren, aber in die Pedalen treten will er partout nicht. Aber er hat einen Plan.
Egal wie wir uns verhalten, am Ende bestimmen die Kinder, was sie daraus machen. Etwa, wann sie beim Biken bereit für etwas Neues sind. Das erleben wir derzeit beim Wechsel vom Laufrad auf das erste Pedalbike. Uns ist bewusst, dass das mit Druck nicht besser klappt. Druck erzeugt Stress und den versuchen wir auf praxistauglichem – sprich tiefem – Niveau zu halten.
Das bedeutet: Pedalen anbieten, ausprobieren – und wieder zurück aufs Laufrad, wenns grad gar nicht klappt. Trotzdem finden wir: es ist Zeit, mit Pedalen zu fahren. Das hat das grosse Geschwister in dem Alter auch getan. Jetzt kurbelt er als Vorbild herum, das Material passt, Gelegenheiten zum “einfach mal Pedalieren” gibt es genug. Dennoch will der Kleine partout nicht reintreten.
- Das Laufrad immer auch als Auswahl bieten, auch wenn der Sattel längst in der höchstmöglichen Position ist.
- Nie sagen “Jetzt musst du dann aber endlich mit Pedalen fahren!”
- Pedalen abschrauben, damit der Transfer vom Laufrad erstmal sanft ist.
- Wenn das klappt: zuerst das Thema Bremsen einführen. Damit sich das Kind nicht gleich mit zwei neuen Dingen beschäftigen muss – unbedingt im Flachen!
- Dann einfach mal Pedalen ausprobieren, das Kind gut stützen, „treten, treten” sagen und gleich wieder aufhören, wenn es sich gar nicht wohl fühlt.
- Bei steilen oder längeren Abfahrten (immer noch ohne Pedalen) unbedingt das Schleppseil als Bremsseil parat haben. Oder einen Sitz, falls dem Kind grad alles zu viel wird. Wir stellten fest: Felgenbremsen können bereits nach 30 Meter Abfahrt komplett ermüden/verunsichern.
- Die Frage “Willst du heute mal mit Pedalen fahren?” nur dann stellen, wenn gar kein Stress herrscht, wenn keine grössere Ausfahrt geplant ist, wenn klar ist, dass die Pedalen auch gleich wieder abgeschraubt werden können (was bei uns immer der Fall war, wenn sie dann überhaupt angeschraubt werden durften).
- Das Laufrad immer auch als Auswahl bieten, auch wenn der Sattel längst in der höchstmöglichen Position ist.
- Nie sagen “Jetzt musst du dann aber endlich mit Pedalen fahren!”

Diese Liste wiederholen wir inzwischen seit Monaten und üben uns in Geduld. Es hilft alles nichts, die Pedalen liegen lose herum. Gleichzeitig steigt beim Kleinen der Frust, dass der Grosse bei den Wettrennen immer gewinnt. Das hat natürlich nur bedingt mit dem Laufvelo und viel mit dem Altersunterschied von zwei Jahren zu tun. Dennoch sagen wir irgendwann: “Wenn du mit Pedalen fährst, wirst du schneller und kannst ihn irgendwann einholen.”
Das löst zwar nur einen kurzen Wutanfall aus, als Motivation funktioniert es aber auch nicht. Kommt hinzu: mit dem Laufrad flitzt er so rassig los, dass er auf den ersten Metern schneller als der Grosse ist. Was also tun?

Wir bleiben dabei und bieten immer mal wieder an, die Pedalen anzuschrauben, lassen sie dann ohne Murren weg, vermeiden Druck und verhalten uns in der Regel wie oben aufgelistet. Und wir müssen eine Regel akzeptieren, die immer gilt: Kinder haben ihr eigenes Tempo.
Doch irgendwann mussten wir uns eingestehen: wir können die Pedal-Verweigerung nicht verstehen, sind ratlos und auch etwas genervt. Bis eine Bekannte sagte, sie kenne diese Situation mit ihrer Kleinsten. Die hat zwei grössere Geschwister, sprich Vorbilder, und habe eines Tages gesagt: “Mit Vier fahre ich Pedalen”. Und tatsächlich: an ihrem vierten Geburtstag pedalte sie los.
Tolle Story, dachten wir. Und als die Pedalen wiedermal ganz blöd waren, da fragten wir unseren Dreieinhalbjährigen, wann er denn treten will, wenn nicht jetzt. Prompt sagte er: “Wenn ich Vier bin.”

Wir sind gespannt. Und üben uns bis dann – und wenn nötig darüber hinaus – in Geduld. Update folgt!
Mehr zum Thema: Wie man Kids fürs Biken motiviert.
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