
Sicherheit für Kids: Wie man Kopf und Körper schützt
Für anhaltende Freude am Biken muss der Helm sitzen – und auch sonst noch einiges passen. Bei Kids nicht immer einfach.
Als Biker:in wollen wir raus in die Natur, Flow spüren, Spass haben – und erleben trotzdem Momente, die total frei von Freude sind: Stürze mit Verletzungen. Das möchten wir unseren Kindern am liebsten ersparen. Gleichzeitig wissen wir aus eigener Erfahrung, dass es irgendwann dann doch mal weh tut.
Wichtig ist deshalb die Schadensbegrenzung durch einwandfreies Material, dem Können entsprechende Wege und Trails und passende Schutzausrüstung. Für Letzteres gehen wir hier auf die wichtigsten Punkte ein.
Die Basis: Helm und Schuhe
Wenn man sich bei Kids zum Einstieg ins Biken auf eine Sache beschränken will, ist es selbstverständlich der Helm. Hier gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Typen:
- klassischer Bike-Helm mit diversen Lüftungsschlitzen und Visier
- Halbschalen-Helm im Dirtjump-/Skate-Style mit weniger Luftöffnungen und ohne Visier
- Fullface-Helme mit Lüftungsschlitzen, Visier und Kinnschutz
Eine Regel gilt für alle Helme: er muss sitzen. Wie gut er passt zeigt erst die Anprobe – die je nach Lust und Laune kleiner Kinder einiges an Nerven braucht. Um möglichst effizient das richtige Modell zu finden ist es hilfreich, sich vorher für den Helm-Typ zu entscheiden und dann nur solche Modelle anzuprobieren.
Fullface: Schutz vs. Alltagstauglichkeit
Als Eltern wünscht man sich den besten Schutz für den Nachwuchs. Das bietet eindeutig der Fullface-Helm. Und es gibt Kinder (und Eltern), die den massiven Look toll finden. Doch der Kauf ist gut zu überlegen und es gibt einige Argumente, weshalb im Alltag wenige Kinder damit herumfahren: Fullface-Helme sind schwerer als Halbschalen- oder Trail-Helme, die Belüftung ist weniger gut und die Beweglichkeit sowie das Sichtfeld sind eingeschränkt. Zudem ist die Atmung weniger frei. Hinzu kommt, dass sie sich nicht so einfach einstellen lassen und mehr kosten als leichtere Modelle.
In manchen Fällen kann ein Fullface-Helm durchaus sinnvoll sein – zum Beispiel wenn das Shredden von steilen Trails, Bikeparks oder Jumplines im Vordergrund steht. Auch handfeste medizinische Gründe können für einen solchen Helm sprechen. Unabhängig vom Helm-Modell ist die Anprobe entscheiden.
Halbschale: Style vs. Belüftung
Der Halbschalen-Helm wird für viele Kinder ein Thema, wenn sie andere, meist grössere, damit fahren und vor allem auch springen sehen. Denn mit seinen Wurzeln im Skaten steht er seit jeher für Freestyle und damit cooles Fahren. Also wollen sie das Teil womöglich auch. BMXer und Dirtjumper tragen ihn seit Jahrzehnten und schätzen nicht nur den Style, sondern auch das tief gezogene Design, das einen guten Schutz bietet.
Aktuelle Modelle sind zudem einiges leichter und viel besser einstellbar als die Halbschalen aus den Nullerjahren. Auch die Belüftung wurde verbessert. Am besten bewährt sich dieses Helm-Typ dennoch überall dort, wo die Action kurz und intensiv ist, also auf Jumps und Freestyle-Parks. Er ist stabil, bietet optimale Sicht und hat kein Visier, das beschädigt werden kann.
Abgesehen von den Freestyle-Einsätzen sollte man sich den Kauf gut überlegen. Heute gibt es bereits Trail-Helme für Kinder, die ebenfalls den ganzen Hinterkopf schützen – und viel besser belüftet sind. Bei Halbschalen hingegen droht schnell ein heisser Kopf, wenn man sich länger bewegt. Und immer mehr Profis, also Vorbilder, sind auch auf Dirtjumps und in Freestyle-Parks mit Fullface-Helmen unterwegs. Bei ihnen gilt dasselbe wie bei den Kids: sind die Sprünge gross, ist der Rundum-Schutz das Beste (und cool sieht das mittlerweile auch aus).
Bike-Helm: Alltag vs. Einsatzbereich
Der klassische Bike-Helm hat dort seine Vorteile, wo Fullface und Halbschale nicht brillieren können: Er ist leicht, gut belüftet und damit breit einsetzbar. Beim Kauf steht man vor der Qual der Wahl, denn Trail-Helme für Kinder gibt es inzwischen Dutzende. Entsprechend sollte für jeden Geschmack etwas zu finden sein.
Die meisten Kids fahren erstmal mit einem Bike-Helm los, da er ein guter Kompromiss aus Kosten, Schutz und Gewicht bietet. Empfehlenswert sind Modelle mit einfacher Feinjustierung mittels Rädchen am Hinterkopf und einem Visier als Sonnenschutz. Und im Gegensatz zu früher sind mittlerweile viele Bike-Helme für Kinder ebenfalls weit nach unten gezogen, bieten also einen ähnlichen Schutz wie Halbschalen.
So passt der Helm bei der Anprobe
- Der Helm darf weder drücken noch wackeln.
- Die Grösse muss gut passen, Verstellmöglichkeiten und die mitgelieferte Schaumstoffeinlagen dienen nur der Feinabstimmung.
- Optimal positioniert ist der Helm zwei Fingerbreit über der Nasenwurzel.
- Die Schnalle der Y-Riemen liegt unmittelbar unter dem Ohr.
- Zwischen Hals und Kinnriemen darf knapp ein Finger Platz haben.
Neben all den Sicherheitsmerkmalen sollte der Helm – aus unserer persönlichen Sicht – dem Kind auch gefallen. Das erhöht die Akzeptanz deutlich. Durch die grosse Auswahl an Farben und Designs ist die Chance gross, dass das auch klappt.

Schuhe beachten
Zwar sind Schuhe keine reine Schutzausrüstung, doch unpassendes Schuhwerk ist ein Spasskiller oder gar gefährlich. Bei der Wahl der Schuhe kann man durchaus pragmatisch vorgehen, sprich: es muss nicht ein extra Bike-Schuh einer Marke sein, die man selber am Fuss hat. Viel wichtiger ist, dass der Schuh gut sitzt und eine griffige Sohle hat.
Für das Laufrad haben wir dabei gute Erfahrungen mit stabilen Outdoor-Schuhen gemacht. Diese haben eine stark profilierte Sohle mit guter Bremswirkung auf dem Boden. Leichte Turnschuhe hingegen bekamen sehr schnell Löcher.
Bei Pedalen sollten die Sohlen griffig aber nicht zu tief profiliert sein, um einen guten Halt auf den Standflächen zu ermöglichen. In jedem Fall ist es wichtig, dass auch die Zehen geschützt sind. Nach oben gezogene Sohlen oder rundherum mehr Gummi wie bei Skate-Modellen leisten gute Dienste.
Behalten eure Kinder die Freude am biken, dauert es vermutlich nicht lange, bis diese Basis-Ausrüstung mit Protektoren und später mit Bike-spezifischen Kleidern ergänzt wird. Dazu schreiben wir bald in einem nächsten Beitrag mehr.
Handschuhe helfen
Während ein Helm immer auf den Kopf gehört, sollten nach Möglichkeit auch passende Handschuhe dazugehören. Gut sitzende Modelle sind nicht immer einfach zu finden. Doch die Suche lohnt sich. Es gibt praktisch keinen Sturz, bei dem die Hände nicht involviert sind und bereits kleine Wunden können sehr störend und auch schmerzhaft sein.
Langfinger-Handschuhe schützen am besten – auch während dem Fahren, wenn Äste in einen Trail hängen. Wichtig ist ein guter Sitz und eine Handfläche, welche dem Kind einen guten Griff am Lenker ermöglicht. Sie sollten aus leichtem, elastischem sowie atmungsaktivem Obermaterial bestehen. Nervig sind dicke Polster, Falten oder zu kurze/zu lange Finger. Durch die Anforderungen an den guten Sitz passen Handschuhe also nicht lange, wenn das Kind rasch wächst. Immerhin sind Kinderhandschuhe einiges günstiger als solche für Erwachsene.
Gute Modelle gibt es z.B. von Fox, O’Neil und Roeckl.
Fazit
Was schützen soll muss sitzen. Das geht nur mit Anprobieren. Dafür besuchen wir viel lieber das Fachgeschäft, als Online fünf Handschuhe und vier Helme zu bestellen, um dann genervt das Meiste (oder alles) wieder zurückzuschicken.
Was hast du für Erfahrungen gemacht mit der Schutzausrüstung für den Nachwuchs? Oder hast du Fragen? Tipps, Tricks und Anregungen sind sehr willkommen. Wir freuen uns auf deine Reaktion als Kommentar gleich hier unten.
Kommentare (2 )
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