Das Laufrad ist bereit, das Kind vielleicht auch

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Beim allererste Zweirad sind Alters- oder Grössenangaben zwar ein guter Hinweis. Für das gelungene Losfahren alleine reichen sie jedoch nicht.

Text: Simon Eppenberger / Pics: Giorgia Müller

Als bikende Eltern war für uns von Anfang an klar: Wir würden es zwar sehr, sehr gut finden, wenn die Kinder das Biken dereinst lieben – aber als ein Muss definierten wir das Ganze bewusst nicht. Nur ausprobieren sollte es erstmal der Grosse auf jeden Fall. Also gaben wir uns betont locker, griffen dann aber sofort zu, als Nachbarn ihr Laufrad weitergaben. Sobald er fünf Schritte am Stück gehen konnte, setzten wir ihn drauf und schossen ein Foto. Er grinste übers ganze Gesicht!

Wir waren glücklicher, als uns lieb war. Allerdings hatte seine und unsere Begeisterung für das Laufrad eine Halbwertszeit von einer Minute. Uns schmerzte vom rumschieben der Rücken und er fand es bald lustiger im Kies zu sändelä oder einfach rumzurennen.

“Er ist noch zu klein”, sagten wir und retteten uns mit einem Trottinett vor weiteren Laufradaktionen. Für das Fahrgefühl und die Balance sicher nicht verkehrt. Das funktionierte vor allem für uns besser. Dank eines aufgesteckten Sitzes und einer Verlängerung mit Griff liess er sich sehr viel einfacher rumschieben. Was ihn dabei besonders reizte war die Bremswirkung seiner Schutzspitzen. Darüber hinaus: Null Interesse, Fahrzeuge selber anzutreiben.

Dabei half uns ein afrikanisches Sprichwort, dass der bekannte Schweizer Kinderarzt Remo Largo für solche Situationen populär gemacht hatte: “Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.”

Sündenbock Material

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Und plötzlich hat’s gefunkt

Also schoben wir die Verantwortung für das sich anbahnende Desaster auf das alte, schwere, zu kleine Laufrad. Das konnte ja keinen Spass machen! Kurze Zeit später besass er ein 12-Zoll-Modell von Early Rider.

 

 

Es sieht toll aus und ist vor allem leicht. Und tatsächlich: Kaum hatten wir das neue Laufrad, fing der Grosse an Freude am fahren zu entwickeln. Fortan war es immer dabei und er machte riesen Fortschritte.

Der Moment zählt – und unzählige Momente sind ohne Bike spannender

Trotz seiner Begeisterung tragen wir das Teil aber auch sehr oft herum und schätzen deshalb selber das leichte Gewicht. Oft hört er nämlich mitten auf der Strecke auf zu fahren und will lieber Äste sammeln und rumrennen. Fair enough denken wir uns und tragen das Laufrad.

 

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Das Kind ist am Lenker, nicht Du

Natürlich kommt es auch vor, dass es tagelang in der Ecke steht. Und dann bewegt er es von sich aus wieder täglich. Für seinen kleinen Bruder merken wir uns: Passendes Material ist die Basis, aber nicht alles. Das Kind bestimmt, wann es losfahren will – und ebenso entscheidend: wie oft.

Tipps für Laufräder:

  • Leichte Modelle machen allen (auch den Eltern!) mehr Freude
  • Stützräder sind nicht empfehlenswert. Sie behindern die Entwicklung des Balancegefühls.
  • Spezialisierte Hersteller:innen bieten ergonomisch passende Modelle und wichtige Details wie ein begrenzbarer Lenkeinschlag.
  • Eine Occasion reicht aus, Kratzer gibts sowieso.
  • Sattelhöhe anpassen: Im Sitzen muss der Boden mit beiden Füssen bequem erreichbar sein, gleichzeitig sollten die Beine nicht zu stark angewinkelt sein.
  • Bei Luftreifen: lieber härter als weicher, zu hoher Rollwiderstand verdirbt den Fahrspass.
  • Grobe Stollenpneus sehen cool aus, sind jedoch sehr träge und für die ersten Fahrten nicht nötig.
  • Neben dem passenden Helm sind gut sitzende, stabile Schuhe wichtig für die Sicherheit.

Was hast du für Erfahrungen gemacht rund um die ersten Fahrten, äh Fahrversuche, mit dem Nachwuchs? Wir freuen uns auf deine Erlebnisse und allfällige Tipps und Tricks als Kommentar.

05.08.2022

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